Stadtputzete

Samstagmorgen in der Fußgängerzone

„Ich lese gerade einen Artikel der HSt vom Herbst 2012 und fast der gleiche kam auch im Rathausblatt.  Dort steht geschrieben,dass die Bewohner das Baumlaub zu entsorgen haben. Natürlich machen es sehr viele, weil sie eine saubere Stadt haben wollen. Weil sie es endgültig satt haben, im Schmutz zu leben, und weil sie den schönen Worten aller Oberen  nicht mehr glauben“, spricht mich ein Bürger an, als ich durch meine Stadt gegangen bin.

Und weiter meint er: „Käthchen, ich muss mich folgendes fragen: hat die Stadt  gar keine Verpflichtung ihren Bürgern gegenüber auch in Sachen Reinlichkeit? Bei uns in der Strasse sind die Strassengullys randvoll, es erfolgt keine Leerung.  Es ist ein trauriges Kapitel in der Strassenerhaltung.  Ich war in vielen Städten in Deutschland, im Ausland, aber ich habe noch nie solch eine dreckige Stadt gesehen wie Heilbronn, so leid es mir tut, dass ich das sagen muss“ und fragt, ob man denn als Bürger doch jeden, aber auch jeden Schaden melden müsse, „erfolgt keine Kontrolle mehr.?“
Im  jetzigen dreckigen zustand müßten Besucher kommen,dann könnten sie den wirklichen Stadtzustand begutachten und nicht den bei der Buga, meint er noch.

„Doch doch“, sage ich, die Stadtoberen betonen immer wieder, wie dankbar sie seien, wenn sie auf Mißstände aufmerksam gemacht würden. Sie können ja schließlich auch nicht  zu jeder Zeit überall sein und freuen sich deshalb auf die Mitarbeit der Bürger.

Aber dann meint man dort, dass die Reinigungspflicht laut Reinigungs-, Räum- und Streupflichtsatzung durch einen Großteil der Anlieger nicht erfüllt werde. Löblicherweise wolle man „auf das Ordnungsamt zugehen, damit dort verstärkt Kontrollen über die Einhaltung der Anliegerpflicht durchgeführt werden.“

Aber weil es dem eigenen Image nützlich erscheint und über solche krämerseligen Kinkerlitzchen hinwegführen soll, hat unser Stadtoberhaupt ja schon vor Jahren die Populismusförderaktion „Stadtputzete“ ins Leben gerufen.

Das lenkt von anderen Defiziten merklich ab. Er selbst und ein Troß seiner prominenten Abstützer zeigen dann mit Papiergreifer und Müllsack vereint durch die Straßen wandernd, wie sehr ihnen die Sauberkeit der Stadt am Herzen liegt.

Nein, nicht etwa am Freitagabend durch die Nordstadt, wo man oft  – weil halt zugewandert – noch nicht viel von der schwäbischen Kehrwoche gehört hat, sondern durch die samstagmorgens noch saubere Fußgängerzone, wenn noch kaum jemand unterwegs ist, um seine Zigarettenstummel zu hinterlassen.

Klar, daß auch ein Fotograf der Presse rückwärtsgehend vorauseilt. Schließlich müssen ja die guten Nachrichten über diese Helden auch ordentlich in der Zeitung gewürdigt werden. Doch fällt mir auf: Wer solche Mätzchen nicht nötig hat, macht bei der Schau nicht mit.

Ach ja, daß ich’s nicht vergesse: Beim wirklichen Dreck findet man jene Imagepfleger nicht. Dazu fanden sich immer genügend Schulkinder – schließlich möchte man diesen ihren verordneten Spaß ja so wenig verderben, wie das in anderen Zeiten schon eine „gute Sitte“ war…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: